05.03.2019

Segeltörn unserer Jugend von Rostock nach Breege/Rügen 2018

von Gert Schröder

Überführungstörn von Rostock Hohe Düne nach Breege / Rügen für MOLA Yachting
Ausbildungsfahrt der Segeljungend des BSV AdW e.V., Abteilung Segeln/Kanu
Zeitraum: 20. - 27. Oktober 2018

Ursprünglich hatten wir - auf Vorschlag unseres Segelkameraden Sören Braun - geplant in den Osterferien 2018 mit Jugendlichen unseres Segelvereins auf zwei Segelyachten einen Überführungstörn von Breege auf Rügen zur Marina Hohe Düne bei Rostock durchzuführen. Alles war schon vorbereitet - dann machten uns der kalte Winter und das frühe Osterfest einen Strich durch die Rechnung. Die Segelyachten konnten wegen der Eisdecke in den Boddengewässern noch nicht gekrant werden, und so mussten wir unseren Törn auf die Herbstferien verschieben - diesmal in umgekehrter Richtung.

Anreise und Übernahme der Yachten

Am Samstag, den 20. Oktober, konnten wir die beiden Yachten in der Marina Hohe Düne übernehmen. Sören und Gert fuhren mit dem PKW zur Marina - gegenüber von Rostock-Warnemünde – und erledigten die Übernahmeformalitäten, während Sörens Frau Nicole und Tochter Nele den Proviant für die kommenden Tage besorgten. Gegen 15 Uhr kamen die anderen Crewmitglieder nach einer langen Bahnfahrt von Königs Wusterhausen über Wismar, Rostock und Warnemünde mit ihren gewichtigen Seesäcken auf der Marina an.

Gert übernahm mit Co-Skipper Jens und den jugendlichen Crewmitgliedern Joris, Florens, Janis und Niklas die Segelyacht „Julia“, eine Bavaria 36 C, während Sören mit Co-Skipperin Sandra und den Jugendlichen Yasmin, Janine, Alexander und Timm die Bavaria 37 C „Boris“ für den Überführungstörn vorbereitete.

Nach der nötigen Einweisung ging es gegen 16:30 Uhr zu einer Erprobungsfahrt hinaus in die Bucht vor Warnemünde. Dort begrüßte uns der Seenotrettungskreuzer „Arkona“ der DGzRS mit riesigen Fontänen aus seinen Wasserkanonen vor dem tollen Sonnenuntergang. Nach einigen Segelmanövern östlich der Fahrrinne (die AIDAmar fuhr gerade von Warnemünde zu einer Kreuzfahrt hinaus) kehrten wir gegen 19 Uhr mit den letzten Sonnenstrahlen wieder zur Marina zurück.

Fahrt nach Gedser (Dänemark)

Am Sonntag, den 21. Oktober, ging es kurz nach 10 Uhr auf unseren ersten Schlag -  bei langsam auffrischendem Westwind mit Windstärken 3-4 segelten wir ca. 26 sm auf Halbwindkurs nordwärts Richtung Gedser / Dänemark. Bei unserer Ausfahrt trafen wir vor Warnemünde junge Berliner Segler  beim Segeltraining auf ihren Laser-Booten -  darunter war auch unser Segelkamerad Lennart, der jetzt im Berliner Leistungskader fährt. Unterwegs begegnete uns auch die Rennsegelyacht „Glashäger“, die unter dem Namen „Illbruck“ 2002 die Volvo Ocean Race gewonnen hatte (maximale Geschwindigkeit fast 39 Knoten!). Da konnten wir natürlich nicht ganz mithalten, konnten aber nach 4 Stunden gegen 16:15 Uhr im „Lystbådehavn“ von Gedser festmachen. Unterwegs hatten wir noch einen kleinen Spatz als blinden Passagier und eine Begegnung mit einem Schweinswal.


Von Gedser nach Stralsund

Da für die nächsten Tage zunehmende Winde (am Dienstag nordwestdrehend bis Windstärke 8!) vorhergesagt wurden, beschlossen wir am Montag, den 22. Oktober,  einen langen Schlag bis nach Stralsund (fast 60 sm) zu machen, um danach einen Ruhetag einlegen zu können. Schon früh um 8 Uhr legten wir ab und segelten bei nordwestlichen Winden mit Windstärke 5 -6 auf Raumschotkurs Richtung Osten. Wir kreuzten wieder die Kadettrinne, den Hauptfahrweg der Fähren und Frachtschiffe, und hielten gut Kurs Richtung der Insel Hiddensee. Sören fuhr etwas weiter südlich, da er noch einen Abstecher in Richtung Seebrücke Zingst machen wollte, wo Ehefrau Nicole und Tochter Nele Urlaub machten.


Bei zunehmendem Wind und Wellengang machte das Segeln viel Spaß und wir erreichten eine Maximalgeschwindigkeit von über 10 Knoten – toll für diese Yacht. Auch die Jugendlichen konnten sich mit viel Freude am Ruder betätigen; der Wellengang machte Einigen etwas zu schaffen, aber alle hielten tapfer durch. Nach fast 45 sm waren wir dann doch froh, kurz vor dem Leuchtturm Gellen / Hiddensee die Segel bergen zu können und unter Motor in die Fahrrinne Richtung Stralsund zu fahren. Gegen 17 Uhr legten wir (zuerst Sören mit der „Boris“ und dann Gert mit der „Julia“) in der  Citymarina Stralsund an.

Hafentag in Stralsund

Am Dienstag, den 23. Oktober, war planmäßig Ruhetag, da schon über Nacht der Wind stark aufgefrischt hatte und nordwestlich mit Windstärke 8 stürmte. In der Marina lagen wir geschützt durch die Mole, aber trotzdem ließen uns Wind und Wellen schlecht schlafen. Vormittags ging es passenderweise in das Ozeaneum und abends feierten wir Bergfest im Braugasthaus „Fritz“ mit leckeren Hamburger für die Jugendlichen.

Von Stralsund nach Kloster/Hiddensee

Der Sturm hielt auch noch bis Mittwoch an; ab Nachmittag waren aber abnehmende Winde vorhergesagt, so dass wir am Mittwoch, den 24. Oktober, gegen 13:30 Uhr Richtung Kloster / Hiddensee ablegen konnten. Sören machte mit seiner Crew noch ein paar Kreuzschläge im Strelasund, danach ging es unter Motor mit beiden Yachten durch die recht enge Fahrrinne nordwärts Richtung Kloster auf Hiddensee.

Unterwegs verloren wir merklich an Geschwindigkeit und mussten feststellen, dass sich Seetang, der nach dem Sturm in großen Teppichen auf dem Wasser trieb, in der Schiffsschraube verfangen hatte. Mit ein paar Manövern konnten wir uns von dem Handicap befreien und beauftragten ein Crewmitglied als Ausguck, um den Steuermann vor nahenden Algenteppichen zu warnen. Recht eng wurde es in der schmalen Fahrrinne, als die Fähre „Vitte“ von Schaprode kommend uns überholen wollte. Da war die Navigations-App „Navionics“ auf dem Smartphone eine gute Hilfe, um beim Ausweichen noch genug Wasser unter dem Kiel zu haben.
Gegen 17:30 Uhr, kurz vor Sonnenuntergang, erreichten wir nach 16 sm den Hafen von Kloster, wo wir gleich vor dem Passagierkai zwei freie Liegeplätze fanden. Zu dieser späten Jahreszeit waren wir die einzigen Segler in diesem Hafen, der vor einigen Jahren zu einem Seglerhafen für über 100 Gastlieger erweitert worden ist.

Hafentag in Kloster

Am Donnerstag, den 25. Oktober, war wieder stürmisches Wetter mit Orkanböen vorhergesagt worden, so dass wir einen weiteren Ruhetag einlegten, den wir zur Erkundung der schönen Insel Hiddensee nutzen konnten. Vom Hafen Kloster wanderten wir vormittags den Dornbusch hinauf in Richtung Leuchtturm.
Dort oben war schon heftiger Sturm zu spüren; auf dem Turm selbst wurden Windgeschwindigkeiten über 100 km/h angezeigt – das war schon eine steife Windstärke 10!

Abends gab es dann eine warme Mahlzeit an Bord – Sören hatte als Spezialität „Labskaus“ zubereitet, was seine Crew mit eiserner Disziplin genoss.

Von Kloster nach Breege

An unserem letzten Segeltag, am Freitag, den 26. Oktober, gingen wir dann auf den letzten Schlag Richtung Breege / Rügen. Wir wollten schon um 7 Uhr starten, da die Wettervorhersage für den Nachmittag wieder Schauerböen bis Windstärke 6 angekündigt hatte. Vorher musste aber unser leichtestes Crewmitglied Timm mittels Bootsmannsstuhl auf der Yacht „Julia“ noch den Radarreflektor bergen, der sich an den vorhergegangenen stürmischen Tagen teilweise von den Wanten gelöst hatte.

Mit Sonnenaufgang ging es dann pünktlich kurz nach 7 Uhr wieder zurück durch die Fahrrinne Richtung Süden, bis wir nach Osten in Richtung Jasmunder Bodden abbiegen konnten. Bei langsam auffrischendem Westwind mit Stärke 2 – 3 setzten wir die Segel und fuhren vorbei an der Wittower Fähre bis in den Breeger Bodden, wo wir noch ein paar Manöver fahren konnten, bevor wir gegen 11:15 Uhr nach 16 sm Fahrt unseren Liegeplatz in der Marina Breege, dem Heimathafen der MOLA-Yachten, erreichten.

Anschließend musste noch am frühen Nachmittag der Dieseltank aufgefüllt werden – bei diesem letzten Manöver hatten wir gute Unterstützung von den MOLA-Mitarbeitern.
Dann ging es ans Einpacken, da wir am nächsten Vormittag nach Berlin zurückreisen wollten. Sören und sein Sohn Janis wurden schon am Freitag von Nicole und Nele abgeholt, da am Samstag das Kranen der Dickschiffe im Verein anstand.
Abends hatte Florens noch einen Filmabend vorbereitet, zu dem sich beide Crews auf der „Julia“ einfanden; auch Sandras Mann Jens, der schon mit dem Auto für die Rückfahrt gekommen war, schaute vorbei. Das war ein toller Abschluss mit 15 Leuten auf einem Kahn.

Das Ende unserer Reise

Am Samstag, den 27. Oktober, fanden sich gegen Mittag die PKWs am Hafen von Breege ein, mit denen wir dann Richtung Berlin bzw. noch in die zweite Herbstferienwoche fuhren.

Es war für alle Teilnehmer, besonders für unsere jugendlichen Segler, eine tolle Segelerfahrung. Es ist also möglich, auch auf der herbstlichen Ostsee noch eine erfolgreiche Segelwoche zu absolvieren. Danken möchten wir auch unserer Abteilung Segeln / Kanu, der diesen Ausbildungstörn finanziell unterstützt hat.

Fotogalerie

In dem Artikel wurde nur ein sehr kleiner Teil unseres Bildmaterials veröffentlicht.
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