Nachruf auf Walter Bernard
Von Petra Wendland - 30.09.2026
Stichworte:Walter Bernard - unser Trainer für Rennkanuten im BSV AdW e.V.
Walter begann 1966/1967 in Zeuthen die 1. Kinder- und Jugendgruppe für den Rennkanusport zu gewinnen. Geworben hat er dafür in Schulen und überall (wie ich hörte - auch im Kino). Zunächst fanden Training und Regatten in vom SCBG Sportclub Berlin-Grünau abgelegten Falt- und Holzbooten statt, später dann von Kajaks aus Kunststoff. Für Anfänger wurde den Booten Polysterol-Stützen angeschnallt. Aufgrund von großartigen Leistungen bei den vielen Regatten fanden sich bald auch Sponsoren für den Erwerb der besten Rennkajaks. Bei den Regatten (Krümelregatta Helenesee, Brandenburg Beetzsee, Postsportverein an der Dahme, Regattastrecke Grünau) erwarben die Kanuten im Einer, 2er und 4er viele Medaillen. Auch gab es einige Delegierungen zur Sportschule, wie z.B. Lena Röhlings, die seit einigen Jahren ihre Laufbahn als Europa- und Weltmeisterin bestreitet.
Walter wollte den Leistungssport. Von anfangs 10-12 steigerte sich die Zahl der trainingsbereiten Kinder und Jugendlichen im Alter von 7-17 Jahren auf ca. 20. Trainiert wurde 2-3 x wöchentlich im Verein, im „Paddelkasten" des SCGB und ab 2003 auch in der Schulsporthalle. Außerhalb der Regatten zählten die Sommer- und Wintertrainingslager zu den jährlichen Höhepunkten, wie auch die Sportfeste, Wanderungen und Feiern, bei denen immer die Familien einbezogen wurden.
Um den Kleinen das Training zu ermöglichen, nutzte er sein Auto als Taxi zwischen Verein, Kindergarten und jeweiligem Zuhause. Da er gelernter Schneider war, übernahm er hier und dort auch gerne mal eine Näharbeit, die Erneuerung eines Reißverschlusses und das Fertigen bunter Röcke. Letzteres berichtete mir freudig meine Nichte Anna, die in ihrer Kanuzeit einen ganze Schuhkarton Goldmedallien sammelte.
Ich selbst (bald 70 Jahre) erinnere mich detailreich an mein Kindertrainingslager im Winter 1971 in der JH in Stadt-Ilm, an einen WE-Paddelausflug zum Heinitzsee in Rüdersdorf, den heutigen Kalktagebau und einer Regatta mit den Disziplinen: Kurzstrecke, Langstrecke und Slalom. Auch denke ich gern an unsere gemeinsame Trainerzeit ab 2002, meiner Rückkehr nach Zeuthen, zurück, an unser Paddeln im Spreewald, an seine Erzählungen über seine Wildwassertour auf der Adeche in Südfrankreich und mit Schmunzeln an seinen unersättlichen Appetit auf Geleebananen.
Dieser gesundheitlich so eingeschränkte und nicht immer einfache Mann bedeutet für mich Stärke, Güte und Willenskraft in großem Maße. Er war ein „Mann alter Schule“, der großen Wert auf gutes Benehmen, Pünktlichkeit, Selbständigkeit, Kameradschaft und Leistungswillen legte. Diesen Anspruch unterstrich er mit seinem offenes Wesen, durch Ansporn, Scherz und Spiel.
Im vergangenen Jahr sprach mich eine Mutter auf der Straße an und sie sagte beim Abschied wortwörtlich: Die Zeit im Kanuverein waren für meine Tochter und auch meine bisher schönsten Jahre!
Ich bin überzeugt, dass er vielen Menschen in Ewigkeit in Erinnerung bleiben wird.
